Der Lilly-Berger-Tierschutzpreis

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Foto: Lilly-Berger
(© Stadtmuseum Halle)
Für besondere Dienste im Sinne des Tierschutzes wird einmal im Jahr zum Welttierschutztag am 04. Oktober der "Lilly-Berger-Tierschutzpreis" verliehen. Die Preisträger müssen nicht zwingend Mitglieder des Tierschutz Halle e.V. sein. Wenn Sie einen Kandidaten vorschlagen möchten, kontaktieren Sie uns und überzeugen Sie uns von seinen Leistungen in Sachen Tierschutz.

Lilly-Berger

Wer war überhaupt Frau Berger, als deren Vermächtnis unser Verein alljährlich anlässlich des Welttierschutztages einen Preis vergibt, mag sich heute manch einer fragen, dem der Name nichts sagt, oder der ihn einfach vergessen hat.

Mir ist diese Lilly noch immer nahe. Ich sehe sie vor mir, wenn ich 20 Jahre zurückdenke, so, wie ich sie in der Zeit der Wende kennengelernt habe – eine zierliche, temperamentvolle Person, wache, lebendige Augen, eine kräftige, energische Stimme, immer voller Ideen und Einfälle und außerordentlich interessiert an den gerade beginnenden tiefgreifenden politisch – gesellschaftlichen Veränderungen.

Ihr Gardinen- und Textilgeschäft in der Schmeerstraße, das sie sehr rührig und erfolgreich führte, war ihre Basis, von der aus sie mit wachem Interesse insbesondere die Kommunalpolitik in der Stadt Halle verfolgte.

Auf allen Montagsdemos war sie präsent, sammelte dabei mit einem Hut Geld für die maroden Pflegeheime, setzte sich für die Gründung eines Frauenhauses ein, hielt auf der denkwürdigen Bürgerversammlung im Oktober 1989 im Volkspark eine mitreißende Rede, organisierte einen Hilfstransport nach Bosnien-Herzegowina und begleitete diesen – obwohl inzwischen schon von schwerer Krankheit gezeichnet – bis ins Krisengebiet.

Großzügig spendete sie Geld und setzte sich auf vielfältige Weise ein, wo immer ihr Hilfe notwendig erschien. Noch viele Beispiele für ihr Engagement und ihre Zivilcourage ließen sich nennen. So ist vielleicht auch noch manchem Hallenser ihr sehr engagierter Kampf gegen den über die Stadt gekommenen Magistratsgewaltigen Bettels in Erinnerung, der von starkem Presseecho begleitet war.

In dieser außerordentlich bewegten Zeit ging die Bürgerrechtlerin Lilly Berger als „gutes Gewissen von Halle“ in die Stadtgeschichte ein.

In ihrem letzten Lebensabschnitt aber, als ihre Krankheit fortschritt, zeigte sie sich immer enttäuschter von der politischen Entwicklung, die ihres Erachtens die Interessen der Ostdeutschen mehr und mehr missachtete und insbesondere von der Politik der Treuhand.

Um eine entsprechende Inschrift auf ihrem schon in Auftrag gegebenen Grabstein führte sie einen spektakulären letzten Streit mit der Stadt. Diesen verlor sie; die Inschrift musste abgeändert werden – eine Entscheidung, die sie sehr traf.

Immer mehr wandte sie sich nunmehr, da auch Tiere ihr Leben lang zu ihr gehört hatten, dem Anliegen des Tierschutzes zu. In unseren langen Gesprächen musste ich ihr ausführlich von unserem damals noch jungen Verein erzählen, von unseren Anliegen und Problemen. Bewegt und lebhaft nahm sie an allem Anteil – immer begleitet von ihrem freundlichen, geschwätzigen Beo.

So entstand ihr Wunsch, über ihren Tod hinaus, etwas für unsere schwächsten, da menschlicher Willkür wehrlos ausgelieferten Mitgeschöpfe, zu tun. Sie verfügte eine Stiftung, aus deren Zinsertrag Mitbürger geehrt werden sollen, die sich in besonderer Weise für hilfsbedürftige, Not leidende Tiere einsetzen. Dieses Anliegen wurde von engagierten Mitgliedern des Vorstandes, die von ihr bevollmächtigt waren, mit viel Mühe, nach Überwindung zahlreicher bürokratischer Hürden, realisiert.

Der Preis wurde dann am Welttierschutztag 1993 erstmalig im Rahmen einer bewegenden Feierstunde an verdiente Tierschützer verliehen.

Lilly hat diesen Tag leider nicht mehr erlebt. Im Januar 1993 – im Alter von nur 57 Jahren –  hatte sie den Kampf gegen die Krankheit verloren.

Ich habe ihr aber in ihren letzten Lebenstagen versichern können, dass ihr Wunsch in Erfüllung gehen wird, was sie noch mit stiller Freude und Dankbarkeit erfüllte. Wenn ich heute an ihrer Ruhestätte auf dem Südfriedhof stehe, vor ihrem Grabstein mit der Inschrift Wir hatten einen Traum / Gerechtigkeit und Freiheit dann erfüllt mich der Gedanke, dass unser Tierschutzverein das Andenken an diese Frau, die so mutig und couragiert war, mit der nun schon langjährigen Tradition des Tierschutzpreises bewahrt.

Ute Rödiger